Mittwoch, 27. November 2013

Jean-Luc Bannalec Bretonische Verhältnisse

Nachdem dieses Buch wochenlang in der Stern Bestseller-Liste war, habe ich mir gesagt, es ist an der Zeit herauszufinden, warum. Mein Fazit: Ich bin kein Krimi-Fan, und ich musste mich nicht in das Lesen zwingen, trotzdem fand ich das Buch nur mässig unterhaltsam. 

Ich erteile 3 von 5 Sternen.


Der Autor entführt uns in die Bretagne, auf die Antlantikküste, in eine malerische Stadt Port Avon, die früher mal ein beliebter Treffpunkt der Künstler war. Hier löst Komissar George Dupin einen Mordfall. Der Kommisar selbst wird von dem Autor nur durch seine Charakterzüge vorgestellt, über Persönliches wird weitgehend geschwiegen. Die Tatsache, dass der Kommisar eine Schwester hat, erwähnt der Autor nur um zu demonstrieren, dass Dupin immer die Arbeit den persönlichen Beziehungen vorzieht. Auch die Gründe des Wechsels des Arbeitsortes wurden erwähnt um zu zeigen, dass nicht nur Dupin von seiner Umgebung als komischer Kauz wahrgenommen wird, sondern auch er hegt großen Abscheu vor gewissen Menschen, vor Allem denen, die zum Abschweifungen neigen und sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren. Es fählt ihm schwer, sich nicht vom Schwäzern derart provozieren zu lassen um nicht auszurasten. Trotz allem wirkt der Kommisar Dupin symphatisch, vielleicht weil er seine Arbeit ernst nimmt und professional ausübt. Die soziale Unfähigkeit wird ihm von dem Leser bestimmt verziehen werden. Mir persönlich kam Dupin völlig in Ordnung vor, da ich ständig mit solchen Männern zu tun hatte und habe, zuerst war es mein Vater, dann mein Mann und inzwischen zählt auch noch mein Sohn dazu. Die Welt würde nicht weniger schön, wenn alle Leute so wären. Höchstens einfacher.

Der Mordfall an sich fängt rätselhaft an, die Tot des alten Hoteliers scheint grundlos zu sein. Viel Platz im Buch nehmen Dupins skurille und plötzlich abgebrochene Vernehmungen der Zeugen, um dann endlich das Motiv des Mordes zu finden. Der Fall bringt wenig Überraschendes und Aufregendes mit, jedoch ist es eine Freude es zu lesen, dank dem Komissar Dupin, der uns seine Methode lernt, sich gegenüber dem Unerwünschten abzugrenzen. Manch einer Leser blickt sicher neidisch auf Dupin seiner Fähigkeit wegen. Nur der unermessliche und übertriebene Konsum von Kaffee zeigt uns, dass der Komissar auch nur ein Mensch ist.

Zur Handlung des Buches (falls ihr das Buch lesen wollt, hier STOP machen!):
Ein alter Hotelier Pennec, über 90 Jahre alt, wird Tot gefunden in seinem Restaurant, in einem Hotel, der schon im vorigem Jahrhundert ein beliebter Treffpunkt der Künstler und Maler, auser anderem Gaugin, war. Die ganze Familie und Hotelangestellte sind daran mächtig stolz.
 Niemand kann sich einen Grund für das Mord vorstellen aber auch niemand scheint emozional zum Boden gestört zu sein. Der Sohn erbt das Hotel und zwei Grundstücke, restliche Immobilien bekommen Freunde des Verstorbenes. Enzig der Halbbruder geht mit leeren Händen aus. Der wird auch als Erster verdächtigt. Nach und nach entdeckt der Kommisar, dass auch Pennecs Beziehung zu seinem Sohn nicht ideal war. Auserdem zeigt sich, dass im Restaurant ein bislang unbekanntes Original Gaugins hing, dieser aber durch eine Kopie ausgetauscht wurde. Als dann die Absicht des Hoteliers, dieses Bild einem Museum zu schenken, entdeckt wurde, ist es nicht schwer den wirklichen Mörder zu finden. Dem Leser bleibt nach dem Ende des Buches ein bitteres Nachgeschmack. Ein alter Mann ist gewaltig gestorben, obwohl er nur noch Tage wegen seines kranken Herzens hatte, und ein Bild, der eigentlich Freude schenken sollte, war die Ursache dafür. Und natürlich die menschliche Gier.

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